Industrie 4.0

IoT – Ihr Weg zum vernetzten Produkt (Teil 4)

Antworten auf die häufigsten Bedenken gegen einen Start

Viele Hersteller sehen für sich großes Potenzial in IoT. Auf Ihrem Weg, einfach zu starten, lauern aber sofort viele Hindernisse und Bedenken.

Die häufigsten Hindernisse sind:

  • Unklare Unternehmensziele
  • Mangelnde Unterstützung aus dem Management
  • Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz
  • Technische Komplexität
  • Unklarheit über Zeitplan und Scope
  • Sorgen vor der Skalierbarkeit

Es ist verständlich, dass diese Bedenken nach anfänglicher Euphorie die Aktivitäten schnell erlahmen lassen. Aber mit dem richtigen Ansatz können all diesen Bedenken Antworten entgegengesetzt werden.

Was sind Ihre Unternehmensziele?

Aufgrund der zu erwartenden Wachstumsmöglichkeiten stürzen sich viele Unternehmen in das Abenteuer „IoT“ – leider zu oft ohne eine klare Unternehmensvision zu haben. Auf der einen Seite kann IoT ein mächtiges neues Werkzeug sein, auf der anderen Seite aber auch ein Investitionsgrab werden. Damit letzteres nicht geschieht, benötigen Sie eine klare Vision, was Sie mit der Digitalisierung und Vernetzung Ihrer Produkte erreichen wollen. Dazu identifizieren und priorisieren Sie Ihre Unternehmensziele. Diese können z.B. die Verbesserung der Kundenzufriedenheit, die Reduzierung der Betriebskosten oder die Erschließung neuer Umsatzquellen sein. Das Festlegen auf solche Ziele lenkt Ihre IoT-Investitionen, schafft Transparenz in den Fortschritt und dient als Benchmark zur Messung des Erfolgs.

Der Wandel hin zu vernetzten Produkten verändert das komplette Unternehmen, somit ändern sich natürlich auch nach und nach die zuvor definierten Unternehmensziele. Sie müssen es schaffen, flexibel zu bleiben, Ihre Entscheidungen zu reflektieren und anhand der steigenden Erkenntnisse aus den gesammelten Daten und deren Auswirkung auf Kunde, Produkte und Ihr Unternehmen Ihre Investitionsbereiche immer wieder neu zu priorisieren.

Obwohl sich ihre Unternehmensziele durchaus ändern können, ist es wichtig, sich gerade am Anfang auf einige wenige zu fokussieren.

Wer ist ihr Unterstützer/Sponsor aus dem Unternehmensmanagement?

IoT ist mehr als nur eine Technologie. Der Schritt in Richtung vernetzter Produkte benötigt Zeit, Investitionen und organisatorisches Umdenken – bis hin zu Reorganisationen der Aufbauorganisation. Die Unternehmensführung muss überzeugt von der Richtigkeit des eingeschlagenen Weges sein – unabhängig vom anfänglich ungewissen ROI.

Demzufolge ist ein überzeugter Vertreter aus dem Top-Management unabdingbar für die Durchsetzung einer digitalen Strategie in Ihrem Unternehmen. Dieser steuert die Aufwände, überzeugt andere Manager und leitet (auch die unbequemen) Veränderungsprozesse ein. Der IoT-Shift in einem Unternehmen wird erfolglos bleiben, wenn lediglich IT- und Forschungsabteilungen daran arbeiten. Es ist eine vollumfängliche Veränderung, die eben von ganz oben getrieben werden muss.

Bedenken gegen Sicherheit und Datenschutz begegnen

Mit der zunehmenden Vernetzung steigen natürlich auch Risiken in Bezug auf Datenschutz und -sicherheit. Das erzeugt einen gewissen Druck auf die Hersteller, diese Bedenken der Kunden ernst zu nehmen und Sicherheitsmaßnahmen zu implementieren. Dieses „Ernst nehmen“ kann auch ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zum Wettbewerber sein. Somit sind Investitionen in sichere Plattformen und dem Aufsetzen von wirksamen Sicherheitsmaßnahmen ein absolutes Muss. Die Zunahme von vernetzten Geräten führt unweigerlich zur immer voranschreitenden Öffnung zuvor interner IT-Systeme, die wiederum verstärkt abgesichert werden müssen. Trotz allem Druck, neue Produkte und Services immer schneller auf den Markt zu bringen, muss zuerst der Sicherheit genüge getan werden und darf nicht vernachlässigt werden.

Nehmen Sie Anwender und Partner mit ins Boot, wenn es um Datenschutz und -sicherheit geht. Erläutern Sie Ihren Kunden notwendige Sicherheitsmaßnahmen (regelmäßiges Ändern des Passwortes, Berichten von auffälligen Aktivitäten etc.). Das Vereinbaren transparenter Datenschutz-und Berechtigungs-Policies  mit Ihren Kunden und Partnern ist ein weiterer Baustein, sicherheitsrelevante Vorfälle zu vermeiden. Das ist umso wichtiger für Unternehmen, die bereits viele Beteiligte in ihrem Technologie-Ökosystem haben, die wiederum mit sensiblen Daten in Kontakt kommen und diese bereits monetarisieren.

Trotz allem dürfen diese berechtigten (!) Sicherheitsbedenken nicht dazu führen, sich der Digitalisierung zu verweigern.

Woher bekommen Sie die technische Expertise, die Sie benötigen?

Die technischen und organisatorischen Herausforderungen bei der Vernetzung ihrer Produkte können einige Hersteller schnell überfordern.

Während sich einige Hersteller aufgrund komplexer Prozesse und Technologien nur durch interne Aus- und Weiterbildung weiterhelfen können, haben andere die notwendige Flexibilität, sich durch die Verwendung von Lösungen und Plattformen von Drittanbietern einen Vorteil zu verschaffen. Mit den richtigen Partnern können auch Sie vernetzte Produkte entwickeln, ohne die gesamte Expertise in z.B. Cloud-Konnektivität und Software-Entwicklung selbst haben zu müssen. Unsere Empfehlung: Lassen Sie sich nicht sofort von der bevorstehenden Komplexität abschrecken, sondern sondieren Sie erst einmal, welche bestehenden Dienste und Plattformen auf dem Markt Sie vielleicht schon für sich nutzen können.

Zeitplan und Scope

Bei der Einführung vernetzter Geräte und Maschinen kommt man schnell in einen Zwiespalt: Auf der einen Seite möchte man natürlich nicht den Anschluss verlieren und schnell starten, auf der anderen Seite möchte man aber auch nicht der Erste sein, der stets und ständig auf Probleme und Risiken stößt, die niemand zuvor hatte und am Ende vielleicht sogar scheitert.

Der beste Rat, den man hier geben kann: Fangen Sie an – klein! Die Veränderung hin zu einem digitalen Unternehmen benötigt Zeit, viele kleinen Schritte und stetige strategische Impulse.

Ein guter Anfang könnte sein, sich Ihre am besten verkauften Produkte, die über eine loyale Kundenbasis verfügen, vorzunehmen und mit digitalen Services anzureichern. Die Konzentration auf ein oder zwei Schlüsselprodukte verspricht einen vergleichsweise schnellen und einfachen Einstieg, um kurzfristig die erste Welle von Betriebsdaten zu erhalten. Dieses initiale Ereignis ist oft der entscheidende Punkt, der die weitere Strategie festlegt. Basierend auf diesen neuen Erkenntnissen entscheiden Sie über die weiteren IoT-Investitionen bzw. die ROI-Berechnung.

Wie stellen Sie die Skalierbarkeit Ihrer Lösung sicher?

Unternehmen, die den Rollout vernetzter Produkte starten, sorgen sich naturgemäß darüber, ob Ihre IT-Landschaft mit den zunehmenden Datenmengen und Services mithalten kann. Dies trifft Anbieter mit „Product-as-a-service“-Ansätzen besonders. Um die sogenannte Skalierbarkeit (elastische Ressourcen je nach Bedarf) sicherzustellen, sollten Sie sich Gedanken über die folgenden drei Bereiche machen: skalierbare Plattformen, Prozesse und Produkte.

Zu allererst: Ihr Unternehmen muss die vernetzten Produkte auf einer dynamisch erweiterbaren IT-Plattform aufbauen, die die angestrebten Anwenderzahlen verkraftet. Das Wachstum vernetzter Produkte ist nur dann möglich, wenn es die dahinterliegende Plattform auch zulässt. Wenn Sie irgendwann auf bspw. 1.000 Geräten mit Millionen ausgetauschter Nachrichten und Ereignissen kommen, wird ihre interne IT-Infrastruktur schnell an ihre Grenzen kommen.

Zweitens: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Prozesse skalierbar sind. Das bedeutet in aller Regel organisatorische Umorganisation, um die Anforderungen durch Ihre neuen Produkte bedienen zu können. Ein auf diesem Wege gewachsenes Kundennetzwerk zu verwalten, wird Sie vor neue Herausforderungen stellen, denen Sie dadurch begegnen, bestehende Rollenbeschreibungen neu zu definieren und mit zusätzlichen Skills anzureichern. Organisatorische Veränderungen sind nie ganz leicht umzusetzen, aber sie sind nötig und notwendig. Die Voraussetzungen für eine skalierbare Organisation werden etwas später noch aufgeführt.

Der letzte Schlüssel liegt in der Fähigkeit, Produkte schon so zu designen und zu entwickeln, dass sie später skalierbar sind. Konkret bedeutet dies, dass vernetzte Maschinen und Geräte während ihres kompletten Lebenszyklus jederzeit möglichst automatisiert wart- und erweiterbar sind. Das eliminiert ausbremsende manuelle Prozesse, wie z.B. Wartungsbesuche. Im kommenden Teil schauen wir uns genau diese für vernetzte Produkte so erfolgskritischen Überlegungen in der Designphase an.

Robert Wienroth v. Riehm

Controller mit Herz und Liebe zum Detail. Mag das Spiel mit Zahlen - vor allem mit intuitiven Tools und kurzen Wartezeiten.