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Augmented Reality – Vergleich zwischen HoloLens, Meta2 und Magic Leap

Augmented Reality beginnt, sich immer mehr in der Mainstream-Welt auszubreiten. Der Rollout von Apples ARKit und Googles ARCore tragen einen großen Anteil daran, Millionen von Apple- und Android-Nutzern zu AR-fähigen Maschinen auszubauen.

Während es für mobile AR zwar durchaus einige sinnvolle Anwendungsfälle gibt, wird der wahre Durchbruch aber wohl eher mit AR-Geräten kommen, die am Kopf getragen werden. Das wird dann aber erst der Fall sein, sobald die sogenannten AR-Head-Mounted-Displays ca. 70% ihres derzeitigen Gewichts verlieren. Setzen wir also unsere Hoffnung bei der kommende Miniaturisierung einfach mal auf die Fähigkeiten der Hardware-Hersteller – und das Mooresche Gesetz.

In der Zwischenzeit begnügen wir uns mit den vorhandenen Head-Mounted-AR-Headsets. Sie sind vielleicht noch nicht das, womit wir lange unterwegs sein wollen, aber schon jetzt bieten sie einiges an Funktionalitäten, die Benutzer suchen. Da jedoch die meisten dieser Geräte hauptsächlich auf Softwareentwickler abzielen (um AR-App-Marktplätze für Endbenutzer zu schaffen), fehlt es den Geräten immer noch an den Apps, die sie bei Mainstream-Nutzern populärer machen könnten. Wenn Sie also ein Early Adopter – aber kein Softwareentwickler – sind, könnten Sie ein wenig verwirrt sein, welches AR-Headset für Sie geeignet ist.

Mit diesen Überlegungen im Hinterkopf schauen wir uns doch einfach mal die großen Unterschiede zwischen den aktuellen, am meisten bekannten Headsets an: Microsoft’s HoloLens, Meta 2 und Magic Leap One: Creator Edition.

Microsoft HoloLens

Das Microsoft HoloLens ist ohne Zweifel das am weitesten verbreitete AR-Head-Mounted-Display auf dem Markt – das könnte am starken Vertrieb von Hersteller liegen, oder aber einfach daran, dass es hinsichtlich Funktionalitäten nichts Vergleichbares auf dem Markt gibt. Mit der HoloLens setzte Microsoft in der AR-Welt gleich einmal Maßstäbe.

Quelle: Microsoft

Als ein eigenständiger, auf dem Kopf getragener Computer projiziert die HoloLens Bilder, 3D-Modelle oder Animationen in die echte Welt. Mit ihrer Vielzahl von Sensoren und Kameras scannt die HoloLens ständig den Raum um sie herum und erstellt ein 3D-Netzmodell des Raumes, die sogenannte Spatial Map. Die Spatial Map erlaubt eine Interaktion zwischen echter Welt und virtueller Welt in einer nie zuvor möglichen Weise: Virtuelle Objekte können z.B. mit diesem Netz kollidieren und den Eindruck erwecken, sie prallen gegen die eigene Couch oder den Tisch oder Bälle rollen einfach auf dem Boden. Das geht sogar soweit, dass virtuelle Objekte von echten Objekten des Raumes verdeckt werden und umgekehrt, so dass ein wirklich reeller Eindruck entsteht. Die Steuerung der HoloLens erfolgt hauptsächlich über Handgesten und die Stimme. Es können aber auch via Bluetooth Geräte wie Tatstatur, Maus und Game Controller angebunden werden.

Quelle: Microsoft

Mit Windows 10 als Oberfläche können die bekannten Kacheln und Fenster irgendwo im Raum platziert werden und bleiben dort an der Position angeheftet. So hängt dann z.B. die Outlook-Applikation ordentlich über dem Esstisch. 😉

Hardwareseitig verbaut Microsoft drei Prozessoren: eine CPU, eine GPU (beides Intel Atom Prozessoren) sowie eine Eigenentwicklung, die sogannte HPU (Holographic Processing Unit) zur Verarbeitung von speziellen Sensordaten. Das Headset verfügt über 2 GB RAM und 64 GB Speicherplatz.

Für Unmut sorgt derzeit das noch etwas eingeschränkte Sichtfeld, an das man sich jedoch schnell gewöhnt. Als größtes Hindernis für einen längeren, regelmäßigen Gebrauch erweist sich jedoch das Gewicht des Headsets, was dann doch nach einem überschaubaren Zeitraum deutlich wahrgenommen wird.

Mal abgesehen von den bisher geringen Verkaufszahlen des Geräts, hat Microsoft jedoch eines ganz sicher und sehr schnell erreicht: Der Aufbau eines eigenen Ökosystem Windows Mixed Reality. Diese spezielle Windows 10 Version vereint VR- und AR-Erfahrungen mit dem Windows 10-Betriebssystem. Nach ca. zwei Jahren Verfügbarkeit der HoloLens gibt es eine kleine Sammlung von gut entwickelter Software im Windows Store. Wird sich dieser Trend fortsetzen, könnte Microsoft damit einen entscheidenden Vorsprung gegenüber der Konkurrenz haben.

Meta 2

Meta, ein Unternehmen mit Sitz im Silicon Valley, entstand 2013 auf der Grundlage einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne. Nach der Markteinführung der ersten Version des Produkts Ende 2014 und weiterer finanzieller Unterstützung, kündigte das Unternehmen im Februar 2016 eine nächste Version an: Meta 2. Seit Ende 2017 können Entwickler das Produkt erwerben.

Quelle: Metavision.com

Im Gegensatz zur HoloLens oder der Magic Leap One: Creators Edition handelt es sich bei der Meta 2 um ein kabelgebundenes System. Das bedeutet, dass die Meta 2 immer einen klassischen PC als Host benötigt und somit eher im stationären Anwendungsbereich Einzug findet.

Getrieben von der Idee, die Brille als Ersatz für den 2D-Bildschirm zu etablieren, hängt sich die Brille an den Video-Port des Hostsystems. Verarbeitung der Sensor- und Bilddaten erfolgt über dessen Prozessoren.

Nach dem Aufsetzen der Meta 2 und der Verarbeitung des ersten Schocks über die schiere Größe des Geräts, beeindruckt das riesige Sichtfeld. Dieses ist ungefähr drei Mal so groß wie das der HoloLens.

Diese Größe wird durch den Einsatz eines halbkugelförmigen Optiksystems erreicht. Die Meta 2 scheint ein etwas klareres Bild zu erzeugen als die HoloLens, was es im Gegenzug jedoch wieder etwas schwieriger macht, sicher zu sein, auf was denn gerade der Fokus gerichtet ist.

Wie die HoloLens, enthält auch die Meta 2 eine Menge an Sensoren und erzeugt ebenso eine virtuelle Karte der Umgebung, um mit dieser zur interagieren. Auch hier erfolgt die Steuerung hauptsächlich über Gesten, inkl. einer Grab-and-hold-Geste, um virtuelle Objekte auszuwählen und im Raum zu verschieben.

Aufgrund der Kabelgebundenheit kann man natürlich zu der Ansicht gelangen, die Meta 2 nicht mit der HoloLens oder Magic Leap vergleichen zu können. Doch solange es in der Kategorie Head-Mounted-AR-Headsets noch so wenig Auswahl gibt und sich der Gerätemarkt noch nicht so differenziert zeigt, ist es das Gerät wert, auch an dieser Stelle verglichen zu werden.

Magic Leap

Leider erst Anfang 2018 verfügbar, handelt es sich bei der Magic Leap: Creator Edition um das aktuelleste AR-Headset. Die Magic Leap ist ebenfalls kabelgebunden – aber an einem kleinen, schicken, tragbaren Rechner, der sich um die Verarbeitung der wichtigsten Daten und der Grafik kümmert. Die Brille ist viel kleiner im Vergleich zur HoloLens und der Meta 2 – was dazu führt, dass das Design schon sehr nah an evtl. zukünftigen – wirklich tragbaren – Headsets liegt. Zudem ein weiteres Argument: Die Magic Leap kann als einzige im Feld mit korrigierenden Brillengläsern ausgestattet werden. Angesichts der ca. 75% brillentragenden US-amerikanischen Erwachsenen könnte das tatsächlich ein entscheidender Vorteil sein.

Zudem wird durch die Verwendung von Light Fields (Wikipedia) ein weiteres Feature möglich: Tiefenschärfe! Durch die korrekte Verwendung von Schärfe und Unschärfe bei virtuellen Objekten wird der Eindruck ein weiteres Mal realitätsnäher.

Grundsätzlich sind die enthaltenen Sensoren mit denen der HoloLens vergleichbar. Der CEO von Magic Leap, Rony Abovitz, bestätigte, dass das Headsets selbst ebenfalls Prozessoren für die Datenverarbeitung enthält – welche wiederum auch für Machine Learning-Zwecke eingesetzt werden.

Zukünftig soll die Magic Leap zudem mit Eye-Tracking-Sensoren ausgestattet werden. Die Steuerung via Blick könnte noch einmal das Feld bei den Hardwareanbietern neu aufrollen: Komplett freies Arbeiten mit den Händen ohne diese für Gestensteuerung etc. einsetzen zu müssen. Aktuell liegt der Brille noch ein handgebundener Controller bei.

Um das aber alles wirklich einmal ausprobieren zu können, müssen wir uns in 2018 noch etwas gedulden, bis Magic Leap ihre Brille zum Verkauf freigibt.

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Dieser Artikel basiert auf einem englischsprachigen Artikel von Next Reality News.

 

Robert Wienroth v. Riehm

Controller mit Herz und Liebe zum Detail. Mag das Spiel mit Zahlen - vor allem mit intuitiven Tools und kurzen Wartezeiten.